Der Fortschritt, oder die Wisch-Wisch Generation


Wohin man schaut, junge Leute, in der einen Hand ein flaches Etwas, dabei gehend und darauf schauend, mit der anderen Hand darüber wischend und um sich herum alles vergessend.

Zehnjährige die im Park sitzen und sich gegenseitig Nachrichten zu wischen. Das ist Telefonieren ohne miteinander zu sprechen. Was für ein Fortschritt!

Als mein Vater (als ich noch ein Kind war) telefonieren wollte, ging er in die Stadt zur Post am Markt und liess sich am Schalter für ein Telefonat anmelden und bekam danach ein Gespräch in einer der Telefonzellen in der Post zugewiesen.

Später dann wurde an verschiedenen Punkten in der Stadt Telefonhäuschen aufgestellt, in denen man für 20 Pfennig ein Stadtgespräch führen konnte.

Der Fortschritt ging weiter. Ich bekam 1963 von meiner Firma zu Hause ein Telefon eingerichtet damit ich erreichbar war.

Anfangs fand ich das gut, aber da ich im Haus der einzige mit Telefon war, kamen auch schon mal die Nachbarn um zu telefonieren, erst nur selten bei Notfällen und ähnlich wichtigen Dingen, später dann immer öfter.

Mit den Jahren verbreitete sich das Telefon immer weiter und fast jeder Haushalt hatte ein Telefon.

Das erste Mobiltelefon mit dem man ohne Schnur draußen telefonieren konnnte, nannte sich "Porty", im Prinzip eine kleine und zu dick geratene Aktentasche mit Telefonhörer und langer Antenne.

Dann kam das erste Handy, ein Riesenapparat, dass aussah wie ein Brikett.

Ich erlebte es am Käsestand am Wochenmarkt: Ein Mann sprach in das Brikett "Hallo Schatz, Gorgonzola ist alle, soll ich Blauschimmelkäse mitbringen?". Was für ein Fortschritt!

Irgendwann wurde das Handy dann "smart". Was im Endeffekt heisst, man kann mit dem Ding alles mögliche machen und telefonieren ist nur noch Nebensache.

Ich bekam das erste Handy von meinem Sohn, als er sich ein neues kaufte, damit ich erreichbar war und auch selbst von Unterwegs immer einen Notruf machen konnte. Er wollte mir auch ein "smartes" Wisch-Wisch Handy geben. Aber wozu? Telefonieren funktioniert damit auch nicht besser.

Heute haben meine Kinder und Enkel (mit Ausnahme des Jüngsten) alle ein Wisch-Wisch. Wenn sie mich besuchen, bitte ich das Wisch-Wisch eingesteckt zu lassen, damit unsere Gespräche ungestört stattfinden können. Ich finde, es hat auch etwas mit Höflichkeit zu tun, dem Gesprächspartner die volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Der Fortschritt geht weiter !

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Kommentare

Das ist ja schön, hier mal wieder was zu lesen! Hoffe, es geht gesundheitlich soweit gut!
Vielen Dank für die Geschichte und viele Grüße!