Der Kübelmajor


Im Bergwerk wird ja an fast alles gedacht. Auch an die Frage, wo die Kumpel unter Tage dürfen, wenn sie mal müssen.

Die Frage, wo die Kumpel während der Zeit im Berg die Notdurft verrichten, wird so gelöst: Irgendwo in der Strecke wird ein stilles Örtchen eingerichtet. Das ist ein kleiner Verschlag, ein Kübel mit Deckel, eine Kiste mit Kalksteinstaub und schon ist für Abhilfe gesorgt.

Ein alter Kumpel, Kübelmajor genannt, hat dann die Aufgabe, die vollen Kübel gegen Leere auszutauschen.

Wir hatten in unserer Strecke auch so ein stilles Örtchen, das alle 3-4 Wochen geleert wurde.

Eines Nachts im Jahre 1950, wir waren schon im oberen Bereich des Strebes, kam mit dem Frischwetterstrom ein übler Gestank im Streb hoch. Was war da los? War der Sachse wieder auf dem Kübel? Aber so einen intensiven Duft kannten wir doch noch nicht.

Doch der Mief hielt an. Mir blieb nicht anderes übrig, ich musste als Rutschenbär (Vorarbeiter) runter und nachschauen.

Als ich unten ankam, der Sachse war nicht da, ging ich dem Mief
immer weiter entgegen. Was ich da sah, glaubte ich erst nicht.

Der Sachse war mit einer Latte am rühren, als wenn er Kuchenteig machen wollte. Er rührte aber nicht im Kuchenteig sondern im Kübel, damit es da so richtig schön stinkt.

Sein Kommentar zu mir war: "Ich habe mir nur die Haare für das Damespiel wiedergeholt."

Der Mief zog nach Oben weite Kreise. Man suchte auch von höherer Stelle den Verursacher um ihn zur Rechenschaft zu ziehen, aber unsere Kameradschaft hielt dicht.

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