Der Sachsenmeister


1950 ging ich von der Zeche Graf Schwerin zur Zeche Erin. Erin kümmerte sich sehr um die Bergleute und baute auch in Obercastrop viele neue Wohnungen. Ich wollte auch die Chance, eine eigene Wohnung zu bekommen.

Mein erster Einsatz war auf "Nachtschicht" bei den Umlegern. Die Umleger müssen die Rutschen und Pressluftrohre immer um eine Reihe näher zur Kohle bringen.

Wenn wir mit unserer Arbeit früher fertig waren, war Buttern (Pause) angesagt. Bei uns war zum Umlegen des Ladekastens ein Sachse, der von sich sagte, er wäre Sachsenmeister im Damespiel.

Immer wenn es die Zeit zu lies baute er ein Damespiel auf. Als Brett nahm er eine Wettertafel. Dazu Kreide und Kohlestückchen für die weissen und schwarzen Steine.

Er hatte unsere gesamte Kameradschaft, auch mich, schon geschlagen. Er war praktisch unbesiegbar.

Eines Tages kam ein neuer, Rainer, in unsere Gruppe. Rainer war ein guter Schachspieler und heckte mit mir einen Trick aus, wie wir den Sachsen reinlegen wollten.

Rainer hatte eine Kopflampe mit feinem gebündeltem Lichtstrahl, fast wie ein Laser. Damit zeigte er mir auf dem Brett, wie ich die Figuren setzen sollte.

Keiner wollte mehr mit dem Sachsen spielen, doch dann sagte ich zu, aber nur mit einer Wette: Wer verliert, zahlt für die ganze Gruppe in der Kantine Bockwurst.

Alle sassen um das Spielbrett herum. Nur Rainer stand und zeigte mir mit seinem Lichtstrahl, wie ich die Züge auf dem Brett setzen musste. Es kam wie geplant, ich habe den Sachsen zum grossen Erstaunen aller Kumpel beim Damespiel geschlagen.

Erst in der Kantine beim Bockwurstessen, haben wir allen die Wahrheit gesagt und jeder hat dann seine Bockwurst selber bezahlt.

Der Sachse war stinksauer und hat unter Tage nie wieder Dame gespielt.

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