Die Räuber


Auf Lothringen hatten wir die Aufgabe, aus den abgebauten Grubenfeldern die Strecken auszurauben (alle Bauten zu entfernen).

Unser Drittel bekam die Aufgabe eine alte Ortsstrecke auszurauben. Ein Zechensteiger ging mit dem Firmensteiger vorher die Strecke ab und zählte die Baue (Stützen/Pfeiler, die die Decke stützen, damit die Strecke nicht einstürzt). Das zählen der Baue war die Abnahme. Vor der Arbeit werden die vorhandenen Baue gezählt und nach der Arbeit die noch übriggebliebenen, die noch stehen. Die Differenz ist die Arbeit, für die die Firma bezahlt wird. Auch wir Hauer wurden pro Bau bezahlt.

Unsere Arbeit bestand darin, mit einer pressluftangetriebenen Seilwinde aus sicherer Entfernung die Baue (Stützen, Stempel) herauszuziehen. Weil durch die dann umgekippten und weggezogenen Baue die Decke nicht mehr abgestützt wird, stürzt die Strecke an der Stelle ein.

Der erste Bau lag schnell, unsere Arbeit dort klappte ganz gut. Wir mussten die Baue bis hinter die Seilwinde tragen, von da übernahmen Zechenhauer den Transport nach über Tage.

In dem alten Grubenfeld gab es keine Grubenlok, der Transport wurde mit Pferden ausgeführt. Das ging natürlich bei den Zechenleuten nicht so schnell. Unser alter Hauer Werner war aber ein erfahrener Räuber, wir zogen Bau um Bau, so daß die Zechenhauer mit dem Transport nicht mehr nachkamen.

Da kam der Zechendrittelführer auf uns zu und meinte, wir sollten ein paar Baue verschwinden lassen. Aber wie? Wir stellten die Winde 50m weiter zurück, suchten eine besonders brüchige Stelle, zogen von da zwei Baue und schon lag ein Bruch der nicht mehr zu übersehen war. Die dahinter in der Strecke noch stehenden Baue, die wir nicht geraubt hatten, konnte niemand mehr kontrollieren - denn durch den Bruch war der hintere Teil der Strecke versperrt.

So haben wir einige Baue versteckt. Am Ende des Monats ging der Firmensteiger mit uns durch und zählte die noch stehenden Baue in der Strecke um die Differenz zu ermitteln, die er der Zeche berechnen konnte. Er war mit uns zufrieden. Als die Strecke komplett ausgeraubt war, kam für uns die Verlegung nach Zeche Mont Cenis in Herne.

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Kommentare

Hallo,
Lothringen ist die Zeche in Bochum Gerthe gewesen, oder?

Liebe Grüße
Christa

Ja, Lothringen war in Bochum-Gerthe.

Guten Morgen,

wie hoch war der Lohn eines "Räubers". Nach der Währungsreform 1948 soll er 7 bis 8 DM betragen haben. Ist das richtig? War das der Tageslohn?

Über eine Antwort würde ich mich freuen.

Beste Grüße,
Dietrich

Habe in den Schulferien auch als "Räuber" gearbeitet auf Zollern II/IV Die Pfeiler der "Kästen" wie wir sie nannten bestanden aus Eisenbahnschwellen und einer Lage Doppel T-Trägern. Mit dem Vorschlaghammer wurde ein mittlerer Eisenträger herausgeschlagen, dadurch wurden die an den Kreuzungsstellen eingedrückten Schwellen locker und konnten herausgezogen werden. Alles musste von Hand und auf Knien erledigt werden. Seilwinden gab es nicht.
Wenn das Gebirge anfing zu knirschen, galt es schnell den Rückzug anzutreten. Transportbänder wurden zerlegt und ebenfalls per Muskelkraft herausgezogen. War für mich nur Arbeit für eine Woche im Dezember 1951