Nachtschicht im Petticoat


Es war Sommer 1953. Ich hatte Urlaub und es war ein schöner, lauer Sommerabend.

Auf Schwerin bei Thoma gab es leckeres Eis, da wollten meine Frau und ich hin. Dort trafen wir einen Kumpel mit Frau. Wir sassen zusammen und hatten viel Spass. Mein Kumpel musst aber zur Nachtschicht. Als es soweit war, haben wir ihn dann zu Dritt zu Schacht 3 von Erin begleitet.

Am Zechentor stand mein Freund Albert, der war für den Schacht als Hauer veranwortlich.

Als Albert uns sah, so leicht und sommerlich gekleidet, die Frauen mit weissen Petticoats, weissen Blusen und weissen Sandalen, fragte er die Frauen: "Habt Ihr Lust auch mal eine Grubenfahrt zu machen? Da seht ihr mal wie Eure Männer arbeiten. So eine Gelegenheit gibt es nie wieder."

Ich zögerte, denn sowas war verboten. Aber die Frauen wollten unbedingt und so stimmte ich dann zu und ging mit.

Albert brachte zuerst die Nachtschicht (die hatte ja vorrang) um 22 Uhr runter zur Fördersohle und wir hatten noch etwas Zeit.

Wir gingen also rauf auf den Turm zur Fördermaschine, die Frauen zeigten für die Technik des Turmes und den schönen Rundblick vom Turm sehr viel Interesse.

Es wurde Zeit und Albert rief zur Grubenfahrt. Jetzt sollte es schnell die 133 Eisengitterstufen runter gehen.

Aber die Frauen waren nicht schwindelfrei und konnten nicht nach unten sehen. Vorwärts gings also nicht, denn man hatte den Blick direkt nach unten durch die Gitterstufen. Aber was machen, einen Fahrstuhl gab es ja nicht. Also mussten sie die ganzen Stufen rückwärts runter gehen. Das war schon die erste grosse Strapaze. Albert wartete schon auf uns, kam mit einem Steiger Blitzer und fuhr mit uns dann zur Wettersohle.

Die Wettersohle war nicht für die Kohleförderung sondern für die Bewetterung (Luft). Da der Schacht 3 ein ausziehender Schacht war, wurden die Abwetter durch die Wettersohle nach über Tage abgesogen und in der Strecke lag daher knöcheltief der ganz feine Kohlenstaub, der sich in der Wettersohle absetzte.

Da gingen wir durch und bei jedem Schritt stob eine kleine schwarze Wolke auf. Da es dunkel war, bemerkten die Frauen nicht sofort, dass sie in einer Wolke von Kohlenstaub herumliefen. Sie sahen aber jetzt schon fast so aus wie die Kohlenhauer. Als sie das dann aber selber sahen bekamen sie Angst und wollten sofort wieder raus.

Das ging aber nicht sofort, denn Albert konnte uns erst um 24 Uhr wieder abholen. Wir stampften also weiter durch den Kohlenstaub und warteten. Wir fuhren dann endlich aus und die Frauen waren heilfroh wieder "Oben" zu sein. Die weissen Sachen waren aber fast komplett Schwarz geworden.

Wir gingen dann sofort nach Hause. Die Frauen waren bis 4 Uhr morgens damit beschäftigt, sich zu waschen und zu putzen.

Auf die Frage nach der Wiederholung einer Grubenfahrt sagten beide unisono "Nie wieder eine Grubenfahrt! Eine Nachtschicht genügt.".

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Kommentare

Der letzte Absatz klingt so, als seist du dreckig ind Bett gegangen :)

Aber hätten sich das die Ladys nicht schon vorher denken können, dass man auf einer Bergwerk-Besichtigung eben etwas schmutzig wird?

Da Erin Schacht 3 mein Arbeitsplatz war, konnte ich mich vor der Anfahrt umziehen und nach der Ausfahrt duschen und umziehen. Für die Frauen war das nicht möglich.