Unglück auf Erin


Schon mein Vater und Grossvater waren Bergleute und arbeiteten als Hauer auf Erin 1/2. Erin war damals noch ein "Familien-Pütt".

Im Sommer 1939 kam mein Vater von der Schicht nach Hause. Ich hörte wie er meiner Mutter erzählte: "Wir hatten heute einen Strebbruch auf Erin, wer und wieviele untern Bruch gekommen sind, ist noch nicht bekannt, die Grubenwehr arbeitet auf Hochtouren."

Vier Tage später wusste man, es waren sechs Bergleute tot und einige Verletzte. Für die 6 Bergleute wurde eine grosse Trauerfeier angesetzt mit hohem politischen Besuch: Der Gauleiter Dr. Robert Ley hatte sich angesagt.

Alle Schulen in Castrop wurden verpflichtet den Fahrweg des
Gauleiters (die Wittener-Strasse im Stadtbereich) zu umsäumen.

Wir Schüler der Wilhelm Gustloff Schule standen in Höhe des katholischen Friedhofs. Mit Hakenkreuzfähnchen winkend, warteten wir mit vielen Bürgern auf den Besuch. Der Strassenrand war voll mit Menschen.

Nach einiger Wartezeit kam eine Autokolonne die sehr schnell an uns vorbei fuhr. Alles jubelte auf Kommando und winkte mit den Fähnchen, aber sehen konnte man nichts vom Strassenrand aus. In der Schule erfuhren wir später, der Gauleiter sei auf der Trauerfeier zusammen mit allen Nazi Größen der Stadt Castrop-Rauxel gewesen.

Als ich (viele Jahre später) verheiratet war, erfuhr ich im Gespräch mit meiner Frau, daß ein Onkel von ihr auch unter dem Bruch gewesen war. Er hatte Glück und kam mit nur leichten Verletzungen davon.

Danach ging er nicht wieder in den Bergbau zurück.

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Kommentare

Hallo,
mit über 80 hat man viel gesehen in Castrop.
Ich engagiere mich im Verein VON MENSCHEN-FÜR MENSCHEN und unser neues vereinsheim ist der alte SAALBAU Völlingen am Eingang der Zeche VIKTOR/ICKERN 3/4 an der Lange Str. 173(früher Hitlerstrasse ?).
Haben Sie dort mal eingekehrt? Und kennen Sie alte Geschichten von dort?
Vielen Dank für Ihre Erinnerungen, wenn Sie uns die mitteilen könnten.
Gruss
Horst Kiewitt
Wittener Str. 48