Der Taubenkasper


Als Siebenjähriger war ich oft bei meinen Großeltern väterlicherseits.

Die Oma war eine dominante Frau, alles hörte auf ihr Kommando. Die einzige die ihr widersprach, war meine Mutter. Deswegen herrschte zwischen den beiden meist ein stummer Streit. Der Opa war aber ein herzensguter lieber Mensch, bei dem ich, als erster Enkel, ein Stein im Brett hatte.

Der Onkel Willi, der bei seinen Eltern wohnte, hatte Tauben die der Opa versorgte. Ich mochte die Tauben und wollte auch welche haben.

Ich bettelte und quengelte so lange beim Opa, bis er sich erweichen ließ und mir eine der Tauben gab. Es war ein Kröpper (eine alte Taube), aber ich zog stolz und glücklich mit der Taube ab nach Hause. Wir hatten einen Dachboden, wo sie bleiben konnte.

Ich versorgte meine Taube liebevoll. Nach 14 Tagen glaubte ich, sie sei jetzt heimisch, und ich ließ sie fliegen, aber sie kam nicht mehr zu mir zurück. Ich ging zum Opa denn dahin war sie zurückgeflogen, in ihren früheren Taubenstall.

Ich bekam meine Taube vom Opa und zog nach Hause. Dieses Spielchen wiederholte sich ein paar Mal, bis es irgendwann dem Opa zu bunt wurde und er sagte "Hansiken, hol dir deine Taube selbst vom Taubenschlag.", was ich auch machte.

Als ich dann mit der Taube zu Hause an kam, sagte meine Mutter, auch sie wäre dieses ewige hin und her mit der Taube auf dem Dachboden leid, die Taube komme jetzt in die Suppe. Ich war traurig, konnte aber nichts dagegen machen.

Die Taube kam in den Topf, die Füsse, Kopf und Federn wanderten in den Abfall.

Nach einer Stunde kam plötzlich die Oma mit der Polizei, sie hatte eine Anzeige wegen Diebstahl gemacht, denn die beste Taube sei gestohlen worden. Und sie beschuldigte meine Mutter, mich dazu angestiftet zu haben.

Ich hatte mich wohl vergriffen und statt meiner (quasi wertlosen) Taube aus Versehen den (sehr wertvollen) Preisflieger mitgenommen.

Die Taube kochte noch im Topf und im Abfall lagen noch die Füsse mit dem Ring. Anhand des Ringes konnte die Polizei bestätigen, dass die beste und wertvollste Taube, der Preisflieger, bei uns im Topf kochte. Für die Polizei war die Sache klar, es war ein schwerer Diebstahl und wir mussten auf die Polizeiwache.

Als mein Opa davon erfuhr hat er sofort alle Schuld auf sich genommen. Er habe seine Brille vergessen aufzusetzen und mir aus Versehen die falsche Taube gegeben. Für die Polizei war die Sache damit erledigt.

Aber was mein Opa deswegen von der Oma auszuhalten hatte, habe ich nie erfahren.

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Kommentare

hallo herr frackowiak,heute war ihre geschicht bei uns in sachsen in der freien presse.dies fand ich sehr interessant und habe sofort heute zu hause auf ihre seite geschaut.gelesen habe ich bisher nur ausschnitte werde dies aber noch tun,finde es jetzt schon schön ihre idee und überhaupt.meine eltern sind und werden nächste woche 80 zig und seit fast eínen jahr haben sie einen pc,was wir alle gut finden.mein vati schreibt ebenfalls sehr gern und kann über früher viele geschichten erzählen.mein kind hat ihn heute früh gleich angerufen und von ihnen erzählt,dass er sich ein beispiel nehmen soll.nun sehe ich ihr bild vor mir und kann mir alles gut vorstellen.weiter so einfach genieal.
mit lieben gruß
aus sachsen verbleibt
e.dießel

Hallo Herr Frackowiak, Ihr Bild mit dem Bericht fand ich in unserer Tageszeitung. Ihre Kurzgeschichten finde ich einfach super. Besonders die von Ihren Großeltern. Ihren OPA sehe ich dann vor mir. Zum schmunzeln, einfach toll. Ich bin auch eine OMA und liebe meine beiden Mädchen sehr. Machen Sie weiter so. Liebe Grüsse aus
Rheda-Wiedenbrück