Der Wahnsinn um das Pflaster in der Castroper Altstadt


Heute habe ich in den Ruhr-Nachrichten einen Leserbrief gelesen, in dem auf mein Blog hingewiesen wurde. Es ging darin um die Neugestaltung des Altstadtpflasters in Castrop, auch im Bereich der ehemaligen Synagoge, zu der es in meiner Geschichte "November 1938 in Castrop" mehr zu lesen und mehrere Kommentare von Lesern gibt.

Zum Thema der geplanten Neupflasterung der Altstadt kann ich die Verantwortlichen der Stadt Castrop-Rauxel nicht verstehen.

Auf der einen Seite fehlt der Stadt angeblich an allen Ecken und Kanten Geld, weshalb an diversen Stellen Reparaturen nicht erfolgen. So scheint es auch an einigen Schulen bereits gang und gebe zu sein, dass die Stadt sich nicht mehr richtig um die Instandhaltung kümmert, sondern dieses als Eigenleistung der Eltern erwartet, und das sogar einplant. So schilderten mir Eltern ihre Erfahrungen.

Und auf der anderen Seite schmeisst meiner Meinung nach die Stadt das Geld zum Fenster heraus, nur weil es irgendwo einen Fördertopf des Landes gibt, über den ein Teil der Kosten mitgetragen wird. Letzteres scheint wohl mit dem Pflaster in der Castroper Altstadt versucht zu werden.

Das bereits vorhandene Pflaster stammt vom Künstler Jan Bormann (der auch die Sonnenuhr auf der Halde Schwerin entwarf) und stellt durch die verschiedenen das Pflaster durchziehenden schwarzen Granitstreifen die Kohlenflöze, auch der Zeche Erin, dar. Also auch einen historischen Teil der Castroper Geschichte. Es ist heute noch in einwandfreiem technischem und optischem Zustand.

Zum Jahreswechsel 2007/2008 wurde es mal wieder aktuell bekannt, dass Pläne eines Beschlusses aus 2005 auflebten, die Stadt Castrop-Rauxel wolle das Altstadtpflaster komplett erneuern und dazu in 2008 konkrete Schritte unternehmen und Fakten schaffen.

Konkret ging es dabei um den Raum zwischen Lambertusplatz, Busbahnhof und Simon-Cohen-Platz (der Platz der ehemaligen Synagoge).

Es gab grosse Proteste von Bürgern und auch von Jan Bormann.

Mitte Februar hiess es noch laut Zeitung: "Das Stadtparlament beschloss, das Projekt "Stadt macht Platz" in den Investitionshaushalt 2008 miteinzubeziehen."

Das Schlug noch mehr Wellen und ein paar Tage später im Februar hiess es dann vom Bürgermeisterreferenten, dass das Pflaster in der Altstadt nicht angefasst werde, dass sei seit geraumer Zeit klar gewesen.

Und jetzt lese ich am Wochenende in der Zeitung, der Bereich der Synagoge würde neu gepflastert. Das Pflaster würde erneuert und einige "Stolperstellen" würden nur beseitigt. Als solch eine Stolperstelle wird offenbar der Gedenkstein der Synagoge angesehen, der dabei auch gleich entfernt werden soll. Es heisst, der Raum solle "entfrachtet" werden.

"Entfrachtet" von Teilen der Castroper Geschichte?

Und Pflasterschäden, die von den anderen Massnahmen bisher nicht betroffen wären, würden "grossflächig behoben". Das klingt mir gerade so, als wenn man Kopfschmerzen mit einer Guillotine beheben wolle. Um am Ende doch genau das zu machen, was man vorher sowieso schon vorhatte. Man nennt es nur anders.

Am 6. März soll im Ausschuss in der Stadt über die Pläne abgestimmt werden. Bisher kenne die Pläne (laut RN) aber nur ein "kleiner Zirkel". Alleine für die Planung sollen aber schon ca. 130.000 Euro für ein externes Planungsbüro ausgegeben worden sein.

Zum Thema ein paar Berichte der Lokalpresse:


(Hat die WAZ wirklich in diesem Jahr in ihrer Online-Ausgabe bisher kein einziges Mal über dieses Thema berichtet? Ich kann nichts finden.)

Aktualisierung: DerWesten berichtet jetzt auch darüber. Danach räumt Bürgermeister Beisenherz Fehler in der Kommunikation ein und versucht mit seinen Aussagen den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und Stadtentwickler Oldengott nennt die Debatte um das Ehrenmal "aufgesetzt".

Information und Links

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Kommentare

Herzlichen Glückwunsch, den Sprung aus dem Internet hianus geschafft zu haben und viel Erfolg damit, so Einfluss auf die Entscheidungen in der Stadt zu nehmen! Ich habe selber einige Jahre in einem Kommunalparlament gesessen und zumindest dann, wenn so kenntnisreich und fundiert argumentiert wurde (was leider oft nicht der Fall ist), hat das immer Wirkung auf mich gehabt! Viel Glück!

Was da gerade beim Bürgermeister und der Statdverwaltung passiert, verstehe ich nicht. Mal heisst es, es geht nur um Instandhaltungsarbeiten und grossflächige Reparaturen, mal heisst es, es gehe ausdrücklich nicht um Instandhaltungsarbeiten, sondern um eine echte Neugestaltung. Als Bürger fühle ich mich von den "Stadtoberen" ziemlich an der Nase herumgeführt.

Will man jetzt den schwarzen Peter der jüdischen Gemeinde in die Schuhe schieben? Der Technische Beigeordnete Herr Dobrindt soll wohl gesagt haben, jene hätte sich nicht negativ geäussert, also sei alles in Ordnung. Das klingt ja so, als wenn man bei der Stadt glaubt, damit einen Persilschein zu haben, der einem alles erlaubt.