Die Flaschenkinder


Bis Anfang 1933 arbeitete mein Vater am Aufbau des Stadtgartens in Castrop, danach war er wieder arbeitslos. Bei uns zu Hause war dann wieder "Schmalhans Küchenmeister" (wenig zu essen) angesagt.

Meine Eltern waren immer bemüht uns Kinder (meine 2 jährige Schwester und mich) satt zu kriegen, aber an Arbeit in Wohnortnähe war nicht zu denken, denn die Arbeitslosigkeit war viel zu gross, es gab 6 Millionen Arbeitslose.

Im Mai 1933 fuhr mein Vater deswegen mit dem Fahrrad ins Münsterland, um bei den Bauern seine Arbeitskraft anzubieten. Es klappte, bei einem Bauern konnte er in der Woche als Erntehelfer arbeiten. Am Wochenende kam er dann nach Hause und brachte dann immer leckeres Essbares mit.

Als der Sommer aber zu Ende ging, war damit Schluss. An einem Samstag kam er mit seinem Fahrrad aus dem Münsterland und brachte ein kleines lebendes Schweinchen in seinem Rucksack mit. Es wurde erstmal in unsere Zinkwanne gesteckt, denn wir hatten keine andere Möglichkeit, das Schweinchen zu halten.

Mein Opa väterlicherseits hatte einen Stall mit Garten, wo Hühner und Tauben waren. Das Ferkel kam zum Opa, da konnte es im Garten frei laufen.

Meine kleine Schwester bekam noch die Milchflasche, die sie immer mitnahm wenn wir zu Opas Garten gingen. Einmal, als sie mit dem Schweinchen spielte, hielt sie ihre Flasche so, daß das Ferkel an den Nuckel der Flasche kam. Das Schweinchen saugte sofort an der Flasche. Meine Schwester war erschrocken und wollte die Flasche wegziehen, aber das Ferkel hielt fest und saugte weiter.

Von da an hatten wir zwei "Flaschenkinder". Immer wenn meine Schwester zum Schweinchen ging, hatte sie zwei Flaschen mit, ihre eigene Flasche und eine für das Ferkel. Es war eine Freude das Schauspiel der zwei Trinker anzuschauen.

Bis kurz vor Weihnachten war das Schwein bereits so gross geworden,daß es abgegeben werden musste. Wir haben es an einen Bauern in Obercastrop verkauft und hatten damit Geld für Weihnachten.


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