Staubwolke Rauxel


Staubwolke Rauxel 1946
"Staubwolke Rauxel", die erste Jugendmannschaft des VfR-Rauxel, 1947.


Mein Enkel spielt Fussball in Merklinde. Bereits seit den Minikickern. Jetzt ist er in der D-Jugend und neben seinem Vater bin ich sein größter Fan. Fast jedes Spiel, auch auswärts, sehe ich mir an. Bei einem dieser Auswärtsspiele waren wir auch mal beim VfR in Rauxel.

Als ich den Platz sah, kamen in mir viele Erinnerungen auf, denn ich habe früher selber im VfR-Rauxel, in der allerersten Jugendmannschaft des Vereins, gespielt.

1947 spielte ich in Castrop02 (dem heutigen "SG Castrop"), in der zweiten Jugend. Gerne hätte ich auch in der 1. Jugend gespielt, aber die "feinen Bubis aus der Stadtverwaltung", so lautete es damals, liessen das nicht zu. Vielleicht war ich auch nicht gut genug.

Viele meiner Kumpel von Victor 3/4 kamen aus Rauxel, so auch mein damaliger Hauer, der "alte Vogt". Eines Tages fragte er mich: "Hör mal Hannes, Du spielst doch auch Fussball. Wir wollen in Rauxel eine Jugendabteilung aufmachen. Komm doch zu uns, Du kannst dann auch in der 1. Jugend spielen"

Ich habe nicht lange überlegt und ging zum VfR. Als ich aber zum ersten Training kam, war ich baff. Der Platz war nicht aus Asche oder Rasen sondern aus Sand. Ich fühlte mich wie am Strand. Mit der Zeit hatte ich mich daran gewöhnt, denn im staubigen Sand braucht man viel mehr Kondition als auf Rasen. Und durch das harte Training hatten wir Spieler alle irgendwann sehr große Kondition und Kraft bis zum abwinken.

Dann kam der Tag, an dem die Mannschaft aus Castrop02 zum ersten mal bei uns spielte. Die erste Halbzeit konnten sie gerade noch mithalten. Aber in der zweiten Halbzeit waren sie durch den ungewohnten und kraftzehrenden Sand so platt, dass wir sie zum Ende hin mit 4:1 weggeputzt haben. Für uns Spieler aus Rauxel, und ganz besonders für mich, war das eine ziemliche Genugtuung.

Seit diesem Spiel wurden wir nur noch, halb spöttisch, halb ehrfurchtsvoll, "Staubwolke Rauxel" genannt.

Das Bild oben stammt aus dieser Zeit und zeigt die "Staubwolke Rauxel", die erste 1. Jugend des VfR-Rauxel. Ich bin der Dritte von links. Sollte es noch andere Spieler aus der Zeit geben, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.


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Kommentare

Der älteste Blogger Deutschlands (...)Sollte es noch ehemalige Fussballer der Staubwolke Rauxel geben, würde er sich sehr über eine Kontaktaufnahme freuen.(...)

Das Arschleder wird nur hinten getragen so lautet die Pointe einer alten Geschichte eines ehemaligen, bloggenden Kumpels. Und die Erzählungen lesen sich sehr angenehm, sehr schöner Sprachstil, ich beuge mein Knie. Das Besondere? Der Blogger Hans Frackowiak ist mit seinen stolzen 78...

Toller Blog mit wirklich interessanten Geschichten. Endlich hebt mal jemand das relativ junge Durchschnittsalter in der Blog-Szene nach oben :-)

Hallo Hans,

Herzlichen Glückwunsch zu deinem Blog. Ich hoffe, du findest noch ein paar deiner ehemaligen Kollegen. Vielleicht trägst du dich ja auch einmal bei Stayfriends ein oder stöberst dort einmal nach deinen Fußballkollegen.

Gruß an die Familie,
Stefan

Hallo Herr Frackowiak,

vielleicht haben Sie schonmal auf www.sgcastrop.de nachgesehen, wie sehr sich diese Website mit der Historie des Vereins beschäftigt. Ich glaube, aus dem Jahr 1947 habe ich sogar zwei Photos der 1A-Jugend und der 1B-Jugend. Mich würde aber trotzdem interessieren, ob sie auch noch Photos von Castrop 02 haben und ob sie mir noch einige Namen ihrer Mitspieler bei Castrop 02 nennen können. Außerdem würde mich interessieren, was mit den "feinen Bubis aus der Stadtverwaltung" gemeint war. Galt 02 als Verein der Stadt und waren die dort alle beschäftigt. Der 1. Vorsitzende Arnold Boerboom war ja immerhin Bürgermeiter.

Grüße
Thilo Schlüsener

Hallo Herr Frackowiak,
Ich wollte nachfragen, ob ich den Staubwolke-Artikel samt Foto auch auf der Vereins-Homepage des VfR Rauxel veröffentlichen darf - natürlich mit einem Link zurück zu diesem tollen Blog hier.
Gibt es noch weitere Anekdoten rund um den VfR, von denen Sie erzählen können?
mit sportlichem Gruß
Jens Lukas

Hallo Hans,
es ist erstaunlich, was einem beim Lesen Deiner Episoden plötzlich wieder einfällt.
Es war in 1953, die Schwägerin meiner Schwester, ein Teenie von 16, schwärmte für Blau-Gelb Schwerin, oder besser für dessen Mittelstürmer,"Pilo" genannt. Die Erste von Blau-Gelb musste gegen den VfR in Rauxel antreten. Sie kannte allerdings den Weg nur bis zu uns (Bahnhofstraße 161). So kreuzte sie eines Sonntags bei uns auf und bat mich, um nicht suchen zu müssen, sie zu begleiten. Ich ging mit und erlebte eine Staub-schlacht, wie beschrieben. Der VfR hat natürlich gewonnen. Als ich wieder Daheim war, musste ich mich von oben bis unten waschen. In der Mannschaft von Blau-Gelb spielte auch mein späterer Lehrgeselle Heinrich Diel. Vom VfR kannte ich Franz Matusczak, dessen Brüder Hans und Erich, ebenfalls von der Bahnhofstraße, bei 02 spielten. Ich selbst war 02-Fan, wegen seiner damaligen Asse Willi Biermann und Alfred Nipieklo.
Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass die Teenies zu dieser Zeit bei uns noch Backfische genannt wurden.
Herzliche Grüße
Rolf Krüger
Bleib gesund

Hallo Hans,
es war wohl im Jahre 1953, als die Schwägerin meiner Schwester, ein 16 Jahre alter Teenie (damals sagte man noch Backfisch) eines Sonntags zu uns an die Bahnhofstraße kam und mich bat, sie zu dem Fußballspiel VfR Rauxel gegen Blau-Gelb Schwerin zu begleiten, weil sie den Weg nicht kannte. Diese junge Dame schwärmte nämlich für das Schweriner Sturm -Ass, "Pilo" genannt. Ich ging mit und habe die Staubwolke erlebt. Wieder Daheim, musste ich mich von oben bis unten abwaschen.Dabei fällt mir noch einiges ein, das auch für Dich interessant sein könnte. Nämlich: in der Schweriner Mannschaft spielte mein späterer Lehr-Geselle Heinrich Diel. Beim VfR spielte Franz Matuszak, ebenfalls von der Bahnhofstraße. Seine Brüder Hans und Erich spielten beim CSV 02, dessen Fan ich wegen seiner Sturm-Asse Willi Biermann und Alfred Nipieklo und meinem ersten großen Torwart-Vorbild Paul Sellinghoff war. Fußballspieler kennen sich eben.
Herzliche Grüße und alles Gute
Rolf Krüger