Woodstock in Obercastrop


Anfang der fünfziger Jahre hatte ich meine neue Wohnung in Obercastrop bezogen. Es war Sommer und nach getaner Arbeit, wolten wir uns Abends eine Entspannung gönnen.

Wir gingen zum Saalbau Bresser, der sich auch in Obercastrop befand. Dort spielte eine Rockband von Bill Haley aus Amerika. Der Name sagte uns damals nichts, aber die Musik war Klasse.

So wurde Bresser dann immer öfter unser Ziel und wir lernten dort noch andere Musiker wie Jan und Kjilt die Banjo Boys, Wolfgang Sauer, die Blue Diamants und andere Bands, von denen einige dann später international bekannt wurden, kennen.

1964 arbeitete ich von der Firma auf Mont-Cenis und hatte einen Kumpel dabei der aus Dortmund kam. Der fragte mich: Hans, ich bekomme Besuch aus Bayern, wo kann man mit denen hingehen, wo was los ist.

Ich empfahl ihm Bresser. Am Abend nach der Schicht zeigte ich ihm wo das ist, der Nachhauseweg führte uns dort vorbei.

Wir machten bei Bresser halt und wollten hinein. Am Eingang wurden wir angesprochen "Opas, was wollt Ihr denn hier?", doch wir wollten nur die Musik hören und gingen rein.

Auf der Bühne spielte ein Gitarrist mit Krauskopf, der haute mit links auf seine Rechtsgitarre ein. Später habe ich dann erfahren, es war Jimi Hendrix.

Viele Jahre später, als ich Filmaufnahmen vom Woodstock-Festival sah, erkannte ich auch sofort Jimi Hendrix an seiner typische Art und dachte dabei wieder an Bresser. Bresser war zwar viel kleiner als Woodstock, aber wir hatten dort das gleiche Lebensgefühl - Bresser war unser eigenes kleines Woodstock in Obercastrop.

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Kommentare

Hallo Herr Fackowiak,
ich lebe schon seit Mitte der 70er Jahre in Bremerhaven wohin die Seefahrt mich verschlagen hat. Heute morgen habe ich im Radiosender "Bremen 1" einen Bericht über Ihren Blog gehört und bin sehr neugierig geworden.
Ich wurde 1953 in Castrop Rauxel geboren und bin wie Sie der Zeche Erin sehr verbunden. Eventuell kennen Sie sogar meinen Vater Erich Wernikowski, der seit Mitte der 60er Jahre bis zur Stillegung Mitglied des Betriebsrates auf Erin war. Leider ist er 2004 verstorben. Da meine Mutter sich bester Gesundheit erfreut besuche ich sie regelmäßig in der Katharinenstraße in Obercastrop. Bis 1967 haben wir in der Feldmark gewohnt und sind dann 1967 in die Katharinenstr. gezogen. Dort haben wir die Wohnung des damaligen Knappschaftsältesten Günter Leidag übernommen und meine Mutter lebt bis heute dort. Ich werde mir in den nächsten Tagen mit großem Interesse Ihren Blog ansehen und freue mich schon sehr, wenn ich Dinge wiederfinde, an die ich mich noch erinnern kann.
Mit den besten Grüßen
Klaus Wernikowski

Hallo Herr Wernikowski,
natürlich kenne ich Ihren Vater Erich. Er war mein Kumpel, wir haben am gleichen Knapp gearbeitet. Ihre Mutter hat mich "Vergissmeinicht" genannt, weil sie sich meinen Namen nicht merken konnte.

Ich meine, ich kenne Sie auch, aus einer Zeit, als Sie noch viel kleiner waren. :-)

Wenn Sie hier im Blog lesen, werden Ihnen vielleicht einige Dinge bekannt vorkommen.

Hallo lieber Hans,
zu meiner Sturm- und Drangzeit in den 60ern wurde aus "Bresser" die Diskothek "Las Vegas".
Für mich sehr praktisch, da ich selbst mit halsbrecherisch hohen Absätzen (+ Plateau-Sohlen) noch schnell vor der elterlichen Sperrstunde von der Disko nach Hause flitzen konnte. Der Grüne Weg war vom Las Vegas im Sturmschritt in 5 Minuten zu schaffen :o))
Ein Großteil meiner Familie arbeitete übrigens auch auf der Zeche Erin. Mein Großvater Wilhelm Schomäker, der dort leider auch in der Grube starb. Mein Onkel Fritz Sternemann (leider auch schon lange tot), der mir als Kind sogar Peter, den "Gruben-Sittich" als Geschenk mitgebracht hat. Onkel Fritz hat bei jedem Geburtstag - zu fortgeschrittener Stunde - Geschichten von den Kumpels zum besten gegeben. Manchmal nicht ganz jugendfrei. Deshalb haben wir uns als Kinder immer möglichst unauffällig verhalten, damit wir nur ja nicht rausgeschickt wurden. Die Krönung so eines Familienfestes: Onkel Fritz nahm sein Gebiß raus und versuchte, den Cousinen damit ins Hinterteil zu zwicken..... Muß eine Ewigkeit her sein. Hat mich als Kind aber wohl tierisch beeindruckt :o)))
Heute wären die Kumpel-Stories bestimmt Comedy- und fernseh-reif!!
Herzliche Grüße nach Castrop-Rauxel
Gabrielle Klawitter