Weißt Du noch ...?


Seit ich hier am Stadtgarten im Seniorenzentrum wohne, habe ich an vielen Veranstaltungen und Festen die hier geboten wurden teilgenommen.

Bei einer dieser Festivitäten sagte meine an der Kaffeetafel neben mir sitzende Nachbarin, dass hier in der Wohnanlage jetzt eine Frau eingezogen sei, die wie meine Frau früher bei Berkenbusch in Castrop gearbeitet hat..

Ich antwortete eher uninteressiert, dass dort viele gearbeitet hätten, und fragte nicht weiter nach.

Zum Ende der Veranstaltung nahm ich meine Jacke von der Garderobe, da standen neben mir meine Nachbarin von vorhin und die Neue, die mich fragte, ob meine Frau auch bei Berkenbusch war und als ich bejahte, meinte, sie sei dort 1948 der erste Lehrling gewesen.

Ich sagte, das kann nicht stimmen, denn 1948 waren meine Frau und eine 14-Jährige aus Bövinghausen die ersten Lehrlinge bei Berkenbusch.

Erstaunt lachte sie und meinte: "Ich bin doch die 14-Jährige aus Bövinghausen".

Da ging es mir wie ein Blitz durch den Kopf, da war doch damals eine 14-Jährige mit Babyspeck, die wir Sonntags als Anstandswauwau oder zur Castroper-Kirmes und anderen Stadtfesten immer mitnahmen und mit der wir dann auch nach der Lehre noch befreundet waren.

Die Person, die mir aber jetzt gegenüber stand, war eine elegante, ältere Dame.

Wir verabredeten ein Treffen um einmal unser Leben gemeinsam Revue passieren zu lassen. Sechzig Jahre sind eine lange Zeit, da gibt es viel zu erzählen.

Sie brachte sogar Fotos mit, die ich vor vielen Jahren im Stadtgarten mal gemacht hatte, wo meine Blonde und sie sich in den Rosen zur Schau stellten.

Jetzt sind wir schon einige Zeit Nachbarn, gehen auch im Stadtgarten spazieren und von Zeit zu Zeit gibt es ein "Weißt Du noch, ...?".


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Endlich - nach langer Wartezeit mal wieder eine neue Geschichte aus Castrop. Und dann noch so eine schöne! Vielen Dank an Hans für diese neue Geschichte, weiterhin alles Gute und vor allem Gesundheit. Hoffentlich gibt es noch des öfteren hier etwas Neues zu lesen!

2- Schippen.

Die Lehrschicht die ich zusammen mit Alfred Neumann aus der Ostzone
fuhr oeffnete unsere Augen fuer die Wunder und die Gefahren dieser Welt
Untertage. Der Korb der uns in die Tiefe brachte war ein Schock, der
Boden fiel unter uns weg dann ging es durch einen starken Wetterstrom nach
unten. Bis wir uns von der Ueberraschung erholt hatten waren wir da.
Mein erster Arbeitstag war von besonderer Art. Im Revier 8 auf der vierten
Sohle hatte man gerade einen neuen Floez eroeffnet. Das war nur ein
schwarzes Loch wohl ausgebaut aber voller Kohlengeroell und Staub. Da
fuehrte mich der Schichtsteiger rein, bewaffnet mit Schaufel sollte ich den
neuen Streb saubermachen. Als ich die riesige Menge von Geroell sah
dachte ich mir, das faengt ja gut an. Unten am Ende des neuen Strebs lief
schon ein Band und auf dieses musste die Kohle geschipped werden.
Knapp 1 meter hoch war das Floez und sehr schraege.
Das sass ich nun, nur mit Schippe und etwas gutem Willen.
Kaum hatte ich ein paar Schaufeln Kohle auf das Band gebracht fing die
ganze Bescherung an zu rutschen, wurde immer schneller und im nu war der
Streb sauber wie eine frisch gewaschene Kueche. Was nun? Das sollte
doch Arbeit fuer eine Schicht sein. Auf dem Ruecken liegend konnte ich
mit Staunen die wunderbaren Muster laengst verganger Baumriesen am
Hangenden sehen. Wie mit einer scharfen Nadel eingraviert, kreuz und quer
durcheinander lagen sie da, diese Abdruecke einer laengst vergangenen
Welt. Diese Schoenheit machte einen starken Eindruck auf mich.
Mit sehr schlechtem Gewissen wartete ich beim Schein meiner
Grubenlampe auf die Rueckkehr der Steigers, Der kam dann gegen
Schichtende und nickte beifaellig. Hast gut gemacht, grunzte noch etwas
und war weg. War dies ein Vorgeschmack der Gruben Arbeit oder eine
Ausnahme?
Jedenfalls wurde ich fuer die naechsten 3 Monate einem Hauer zugeteilt und
schippte auf den Knien Kohle in die Rutsche. Das kommt davon dachte ich
so bei mir, eben drum, weil du in der ersten Schicht so gut geschippt hast.

Das Grubengas!
Hans H Mueller
Mitten in der Morgenschicht fing das Hangende in Floez Sonnenschein an
sich langsam zu senken! Die Hauer die Stempel zuschnitten um das
Hangende abzustuetzen konnten nicht so schnell saegen wie der Berg sich
senkte. Die Holz zufuhr zum Ausbau wurde verstaerk, so das das Holz
schneller ankam als es verbraucht werden konnte. Der Obersteiger erschien
um allen Mut einzufloessen und mit seiner Tapferkeit zu beweisen das noch
nichts verloren war. Durch das so schnell anfallende Grubenholz wurde
der Querschnitt im Streb kleiner, so das das Wetter nicht so gut
funktionierte wie sonst. Karl einer unserer Holztransporteure und mein
Kumpel hatte eine ausgesprochen Vorliebe fuer Polnische Wuerstchen
moeglichtst mit viel Zwiebeln und natuerlich ein Bier oder auch mehr.
Die durch diese Diaet enstehenden Abgase gab er dann waehrend der
Schicht zum Besten und amuesierte sich koeniglich wenn wir einer
Ohnmacht nahe aus seiner Naehe entflohen. Nun gerade waehrend dieser
Krise im Streb gab hielt Karl es fuer noetig seinem Inneren etwas Luft zu
machen und uns den Atem zu nehmen, auf gut deutsch er lies einen
fuerchterlichen Forz los. Wenige Augenblicke spaeter kam unser Schicht
Steiger und bekam so die Reste des hinterlistigen Geruches in die Nase!
Etwas verduzt schnallte er seine Sicherheitslampe ab und leuchtete das
Hangende und auch das Liegende nach Grubengas ab, obwohl er wusste das
dieses Gas ja geruchlos sein soll, aber man kann nie wissen. Das unsichere
Licht und seine Aufmerksamkeit liessen ihn unser unterdruecktes Grinsen
nicht sehen. Der Berg beruhigte sich, unsere Welt sturzte nicht ein und
unsere Drohung Karl lebend in den Wendel zu schmeissen bewirkte
schliesslich das er uns mit seinen schrecklicheren Abgasen verschonte.
Karl, der jetzt noch in CastropRauxel wohnt, sollte diese Geschichte nicht
lesen da er mir sonst wohl eine Richprobe zuschicken wuerde. Wir haben
es ueberlebt und die Welt in der Dieses geschah ist verschuetted, doch
irgendwo in einer kleinen Ecke geistert bestimmt noch ein bischen
Grubengas herum.

Bekenntnisse einer schwarzen Seele!
Hans H Mueller
Wie so viele junge Maenner in den Nachkriegsjahren landete ich eines Tages auf der Zeche Victor 3/4 in Castro-Rauxel. Das Jahr war 1950. Im Buero des Obersteigers fragte ich um Arbeit . Die Antwort ueberraschte mich, denn er sagte ja und ob ich denn schon das aerztliche Examen hinter mir haette. Nein, hatte ich nicht. Die Fahrt in den Ort wo dieses Examen stattfinden sollte verbrauchte mein letztes Geld. Gluecklicher Weise konnte ich mit vielen andern jungen Maennern dort uebernachten und am naechsten
Morgen kam die Untersuchung. Das Herz angehoert und die Lunge. Eine kleine Flasche , fuer die Urin Probe bekam man in die Hand gedrueckt. Nun hatte sich das so mit dieser Probe. Gleich nach dem Aufstehen war ich im WC gewesen und von wegen, Urin war beim besten Willen nicht zu haben.
Die aeltere und sehr muetterliche Schwester sagte dann, na setz Dich man, das kommt schon. Von wegen dachte ich, da sitzte bis zum Mittag hier und immer noch kein Bier.
Nach eine halben Stunde, Flasche fest in der Hand ging ich in das probier Zimmer. Das standen in langen Reihen viele verschiedene Flaschen mit Proben meiner erfolgreichen Vorgaenger. Mein eigener Hahn blieb dicht. Ohne zu zoegern suchte ich mir zwei der helleren Proben aus, goss etwas davon in meine Flasche und von der Wasserleitung einen Schuss um die Sache zu verduennen.
Als ich mit Siegerlaecheln aus dem Zimmer kam nickte mir die Schwester freundlich zu, Siehste sagte sie es ging doch. Garnicht siehste dachte ich, wenn du wuesstest. Jedenfalls bestand ich die Gesundheitspruefung und die Tore zum Puett standen offen. In den folgenden Wochen hatte ich wohl Gewissenbisse, was,wenn ich durch die Mischung einen wunderlichen Cocktail erzeugt hatte. Es kam jedoch kein Anruf und die schwarze Seele
hatte dieses Hinderniss ueberwunden.

Holztransport!
Meine Taetigkeit im Floez Sonnenschein als Schlepper endete mit der groessten Ueberraschung meines Lebens. Der Hauer fuer den ich schaufelte stiess ploetzlich einen Schrei aus. Der Kohlenstoss an dem er arbeite fiel ploetzlich weg und dahinter waren nagelneue Hoelzer vom Verbau zu sehen. Stempel und Spitzen und Schalhoelzer, neu wie von Gestern. Es herrschte Stille.
Ein aelterer Hauer sagte dann leise, da habe ich als junger Man in Ickern aufgehoert. Ein seltsames Wiedersehen mit der Arbeitsstaette seiner Jugend. Wir hatten die Zechengrenze zwischen Ickern und Victor erreicht.

Schluss der Schicht und Ende des Strebs
Als naechstes Arbeit in der kommenden Schicht wurde ich mit einem Kumpel dem Holstransport in dem neu eroeffneten Floez zugeteilt. Auch dies war wie so vieles in der Grube eine Wissenschaft fuer sich. Die verschieden Hoelzer die zum Ausbau gebraucht wurden mussten zur richtigen Zeit und in richtiger Menge da sein. Wenn nicht hoerten wir gut gewuerzte Flueche. Holz wurde in der Nachtschicht in die Hauptstrecke gebracht und von dort von uns auf Teckel verladen danach wieder abgeladen und auf ein laufendes Band gelegt, aber wie? Stempel rollen leicht, wie wir zu unserem Leidwesen bald merkten. Stempel auf’s Band und jede Seite eine Spitze und schnell und weg. Dann neben dem Band
herlaufen am Ende des Bandes wieder ab und aufladen und vor Ort bringen.
Das Fahren auf dem Band war uns damals streng verboten. Trotzdem taten wir es um Zeit zu sparen und wahrscheinlich auch weil wir zu faul waren uns neben dem Band herzulaufen. Beim Bandfahren musst man nur wissen wo die Heimtuecken verborgen waren. Da stak naemlich vom Hangenden eine abgebrochene Spitze heraus die, wenn man den Asch nicht richtig einzog, ganz empfindlich ratschte.
An diesem Morgen kam ein ziemlich sauberer Bergmann bei uns an. Sauber ist ja immer der der nicht viel arbeitete. Es sagte wir sollten das Band anstellen damit er vor Ort fahren konnte. Unseren Einwand, das dieses verboten sei tat er mit einer laessigen Handbewegung ab. Stell an schnautzte er. Na ja, dachten wir mir grinsen das man im Halblicht der Grubenlampe nicht sah. Er legte sein ziemlich korpulentes Selbst auf das Band und ab in die Dunkelheit. Nach kurzer Zeit hoerten wir ein eigenartiges Geraeusch, wir stellten das Band ab um bessen hoeren zu
koennen. Es aechste wer!
Unsere hinterlistige Spitze hatte ihm nicht den Hintern geschrammt sondern seinen Guertel festgehakt so das er einmal gefalted Zwischen Band und dem Hangenden eingeklemmt war. Zum Schreien oder Fluchen war keine Luft fuer ihn uebrig und meinem Vorschlag ihm die Hose auszuziehen und so zu erloesen, setzte er Wiederstand entgegen. Wiederstand oder nicht, die Hose musste ab. Seine Hose hatte fast nicht gelitten nur ein paar Knoepfe blieben versehentlich auf der Strecke. So wurde er peinlich aber ohne Verletzungen erloesst und ging den Rest des Weges zu Fuss und kam auch nicht wieder.