Schicht am Schacht - Nie wieder Pütt!


1959 arbeitete ich auf Erin in Flöz Sonnenschein bei der Blaskolonne im Versatz. Da werden unter hohem Druck Waschberge (kleine Steine) in die ausgekohlte Reihe geblasen um den Hohlraum, den der Kohleabbau hinterlassen hat, wieder aufzufüllen.

Eine Stelle im Streb (es war dort nach einem Knick besonders steil) war unter so starkem Druck, dass der Holzausbau schon teilweise angebrochen war. Als unsere Schicht zu Ende war, meinte unser Steiger, wir müssen noch da bleiben und im Schichtwechsel noch die Stelle zublasen.

Meine Kumpel meinten, das sei ihnen zu gefährlich, machten nicht weiter und fuhren aus. Ich dachte an die Geschichte vor vier Jahren, als ich genau in diesem Flöz unterm Bruch lag (Verschüttet unter Tage). Ich blieb deswegen im Schichtwechsel auch nicht drin und fuhr mit ihnen aus.

Am anderen Tag, als ich zum Pütt kam, hörte ich schon in der Kaue: Gestern Abend beim Schichtwechsel ist in Sonnenschein ein grosser Bruch gefallen.

In meiner Schicht wurde ich zum Sichern des Bruches eingesetzt. Was ich da sah, war ein gigantischer Ausbruch des Berges. So gross, man hätte da eine Kirche hinein setzen können. Was, wenn ich drin geblieben wäre, dann würde ich da jetzt irgendwo liegen.

Nach der Schicht ging ich zum Personalbüro und kündigte sofort. Ich wollte und konnte nicht mehr einfahren. Nie wieder Pütt. Nicht ein einziges mal mehr. Ich nahm meinen Resturlaub und ging auf Arbeitssuche um mir eine Arbeit, egal was, am Tage zu suchen.

Nach einigen Wochen, ich hatte schon zwei feste Zusagen, davon eine von den Dortmunder Stadtwerken als Busfahrer, traf ich einen alten Kumpel von Erin, der jetzt als Querschläger (Gesteinshauer) bei einer Dortmunder Bergbauspezial- firma beschäftigt war. Er sagte mir "wir suchen noch gute Leute." Ich wurde bei der Firma vorstellig und bekam einen Arbeitsvertrag für die Montage im In- und Ausland.

Ich ging doch wieder in den Bergbau, der Berg liess mich nicht los.
Nie wieder Pütt? Man sollte NIE, nie sagen.

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Kommentare

lange Jahr kannt ich einen aus dem Berg. dem ließ der Berg erst los als das Kreuz nach 2 Verschüttungen total kaputt war.

aber wegziehen konnt er nie, und als sie alles aufließen -Jahrzehnte später hatte der Mann feuchte Augen.

so kann ichs ein wenig nachempfinden, dass es vielen so geht - was einem auch immer da unten hält- es ist stark.


lg
Monika

Von 1950 bis 1952 habe ich in den Ferien auf Zollern II/IV als Schlepper gearbeitet. Habe bis 1952 das Neusprachliche Gymnasium in Castrop besucht.
Ein Leben lang im Pütt zu malochen, wäre mir nie in den Sinn gekommen, nach den Erfahrungen aus der Zeit. Kohle wurde noch mit dem Presslufthammer gemacht, auch als " Räuber" habe ich gearbeitet, bis das Hangende knisterte.
Der Vater meiner Mutter ist in einem Pütt tödlich verunglückt.